Bergkarabach 2: NATO-Generalsekretär besucht Erdogan

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Die Weltkugeln mit Sowjetunion, NATO und Armenien sowie die Karte des Osmanischen Reiches bis 1683 sind den entsprechenden Artikeln der deutschen Wikipedia entnommen.

06.10.2020 Friedrich hat für die Friedensinitiative Dresden die Presse gelesen.

Was zunächst skurril klingt, hat eine innere Logik. In der Region Bergkarabach spiegeln sich die Interessen von alten und neuen Imperien. In der schönen, zerschossenen, gebirgigen Gegend leben nur 145.000 Menschen, heute zumeist Armenier, weil die Aserbaidschaner nach der armenischen Annexion in den Jahren um 1994 geflohen sind oder vertrieben wurden. NATO-Generalsekretär Stoltenberg muss nicht nur auf Beilegung des Konfliktes um Gasfelder im Mittelmeer zwischen den NATO-Ländern Griechenland, Zypern und Türkei drängen.

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Er muss auch einwirken, dass Erdogan nicht zu frech in seinen „Einflussgebieten“ auftritt, denn sonst könnte die NATO zu sehr unter Druck geraten. Das NATO-Mitglied Türkei unterstützt Aserbaidschan, das mehrheitlich von Muslimen bewohnt ist. Armenien zusammen mit der Armee von Bergkarabach hat das Bergland samt umliegender aserbaidschanischer Provinzen im Krieg 1992 bis 94 von Aserbaidschan annektiert. Armenien und Bergkarabach sind christlich geprägt. Bergkarabach möchte ein unabhängiges Land werden. Aber Aserbaidschan verweigert Sezessionsverhandlungen und würde gern den Verlust von 1994 kriegerisch rückgängig machen. Präsident Erdogan unterstützt die Aserbaidschaner mit Waffen, auch solche aus Deutschland. “Experten fordern stärkere Einflussnahme Berlins im Südkaukasus. Deutsche Rüstungskonzerne unterstützen den Öllieferanten Aserbaidschan.” https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8398/ Er hat ca. 10.000 Söldner für Aserbaidschan aus Syrien geworben, sie quasi kriegshandwerklich weiterbeschäftigt. Aber er streitet das ab, und genaueres weiß man nicht. Nun klagt auch Erdogan empört, dass Armenien die PKK-„Terroristen“ aus dem Nordirak gegen Aserbaidschan kämpfen lasse. Alles vage. In dem dünn besiedelten kriegsgeschüttelten Land gibt es kaum unabhängige Beobachter. Die Bundesregierung ist massiv in der Kritik.

Nicht explodierter Raketenkörper steckt in einer Straße in Stepanakert, der Hauptstadt von Bergkarabach.  Foto: David Ghahramanyan / AP Quelle

„Die Bundesregierung muss in einer Dringlichkeitssitzung des NATO-Rats vollständige Aufklärung verlangen über den Umfang der Unterstützung der aserbaidschanischen Armee durch den NATO-Partner Türkei etwa durch die Entsendung islamistischer Söldner aus Syrien, den Einsatz von F16-Kampfjets und Kampfdrohnen vom Typ Bayraktar TB2. Die NATO muss das Zündeln der Türkei im Südkaukasus verurteilen. Notwendig ist ein Stopp aller Waffenlieferungen an die Türkei.“ Sevim Dagdelen, Obfrau der Fraktion DIE LINKE im Auswärtigen Ausschuss im deutschen Bundestag

Ein Mitglied meiner Familie war 2019 als Touristin in Georgien, Armenien und Arzach unterwegs. Sie benutzt den Namen, den die Bergkarabacher für ihre Heimat verwenden. „Der Krieg“ sei allgegenwärtig. Nicht nur die zerschossenen Häuser von Anfang der Neunziger und später. Alte Frauen in den Bergdörfern trügen meist 1 bis 3 Lichtbilder bei sich, die sie gern den Fremden zeigen: den gefallenen Mann, Sohn oder Bruder, oder von mehreren Verwandten, die von einer Granate aus dem Nachbarland getroffen worden waren. Frieden ersehnen sie, aber er ist undenkbar bei all dem Leid und den vielen lebenden und toten Helden und Opfern.

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