Erinnerungen an den 80. Jahrestag

Erinnerungen an den 80. Jahrestag

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des Überfalls Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion

Von der Stadtverwaltung Dresden bekamen wir einen Platz am „Katzentisch“ zugewiesen, nicht vor dem Landtag. Denn dieser Platz durfte nach Aussage der Landtagsverwaltung nicht benutzt werden, weil unser Thema nicht Gegenstand im Landtag war.

Bitte Unterschreiben – nicht vergessen

Kein kalter Krieg mit Russland-Hört auf damit!

www.russlandbrücke.de/kein-kalter-krieg-mit-russland-hört-auf damit/

Ablauf

1. Gedicht „Babij jar“ von Jewgeni Jewtuschenko, vorgetragen von Toni Danders

2. Musik Leningrader Sinfonie von Dmitrij Schostakowitsch

3. Gedenken an den Überfall vorgetragen von Ruslan  Yavorsky

4. Lesen aus Briefen eines Sowjetsoldaten durch Peter Müller (Freital)

5. Arbeit mit Veteranen der Roten Armee, von Toni Danders

6. Musik Leningrader Sinfonie von Dmitrij Schostakowitsch

7. Bündnis zu Rußland in der Gegenwart Rositha Schwarzbach

8. Was erwarten wir als Friedensinitiative Dresden? Eberhard König

9. „Meinst du die Russen wollen Krieg?“ vorgetragen von Peter Müller (Dresden)

10. Musik Leningrader Sinfonie von Dmitrij Schostakowitsch

TOP 9. mit Blick auf die Marienbrücke
TOP 1

TOP 1:

Babij Jar (übersetzt von Paul Celan)
Jewgenij Jewtuschenko  

Über Babij Jar, da steht keinerlei Denkmal.
Ein schroffer Hang – der eine unbehauene Grabstein.
Mir ist angst.
Ich bin alt heute,
so alt wie das jüdische Volk.
Ich glaube, ich bin jetzt
ein Jude.
Wir ziehn aus Ägyptenland aus, ich zieh mit.
Man schlägt mich ans Kreuz, ich komm um,
und da, da seht ihr sie noch:
die Spuren der Nägel.
Dreyfus, auch er,
das bin ich.
Der Spießer
denunziert mich,
der Philister
spricht mir das Urteil.
Hinter Gittern bin ich.
Umstellt.
Müdgehetzt.
Und bespien.
Und verleumdet.
Und es kommen Dämchen daher, mit Brüsseler Spitzen,
und kreischen und stechen mir ins Gesicht
mit Sonnenschirmchen.
Ich glaube, ich bin jetzt
ein kleiner Junge in Bialystok.
Das Blut fließt über die Diele, in Bächen.
Gestank von Zwiebel und Wodka, die Herren
Stammtisch-Häuptlinge lassen sich gehn.
Ein Tritt! mit dem Stiefel, ich lieg in der Ecke.
Ich fleh die Pogrombrüder an, ich flehe – umsonst.
«Hau den Juden, rette Rußland!» -:
der Mehlhändler hat meine Mutter erschlagen.
Mein russisches Volk!
Internationalistisch
bist du, zuinnerst, ich weiß.
Dein Name ist fleckenlos, aber
oft in Hände geraten, die waren nicht rein;
ein Rasselwort in diesen Händen, das war er.
Meine Erde – ich kenne sie, sie ist gut, sie ist gütig.
Und sie, die Antisemiten, die nieder-
trächtigen, daß
sie großtun mit diesem Namen:
«Bund des russischen Volks»!
Und nicht beben und zittern!
Ich glaube, ich bin jetzt sie:
Anne Frank.
Licht-
durchwoben, ein Zweig
im April.
Ich liebe,
Und brauche nicht Worte und Phrasen.
Und brauche:
daß du mich anschaust, daß ich dich anschau.
Wenig Sichtbares noch,
wenig Greifbares!
Die Blätter – verboten.
Der Himmel – verboten.
Aber einander umarmen, leise,,
das dürfen, das können wir noch.
Sie kommen?
Fürchte dich nicht, was da kommt, ist der Frühling.
Er ist so laut, er ist unterwegs, hierher.
Rück näher…
Mit deinen Lippen. Wart nicht.
Sie rennen die Tür ein?
Nicht sie. Was du hörst, ist der Eisgang,
die Schneeschmelze draußen.
Über Babij Jar, da redet der Wildwuchs, das Gras.
Streng, so sieht dich der Baum am,
mit Richter-Augen.
Das Schweigen rings schreit.
Ich nehme die Mütze vom Kopf, ich fühle,
ich werde
grau.
Und bin – bin selbst
ein einziger Schrei ohne Stimme
über tausend und aber
tausend Begrabene hin.
Jeder hier erschossene Greis -:
ich. Jedes hier erschossene Kind -:
ich.
Nichts, keine Faser in mir,
vergißt das je!
Die Internationale —
ertönen, erdröhnen soll sie,
wenn der letzte Antisemit, den sie trägt, diese Erde,
im Grab ist, für immer.
Ich habe kein jüdisches Blut in den Adern.
Aber verhaßt bin ich allen Antisemiten.
Mit wütigem, schwieligem Haß,
so hassen sie mich –
wie einen Juden.
Und deshalb bin ich
ein wirklicher Jude.
(Aus: Paul Celan: Gesammelte Werke. Bd. 5. Übertragungen II. Frankfurt/M. 2000. S. 288ff.)

Der Worte sind genug gewechselt …
TOP 3
König „Friede“ möge einziehen.

Bemerkungen zu Jewtuschenko

Jewgeni Jewtuschenko ist ein sowjetischer Dichter und Schriftsteller, geboren in Sibirien und überwiegend zu Hause in der sowjetischen und russischen Kultur. Ein Großvater war ein deutscher Mathematiker.

Mich berührt an seinem Gedicht Babij Jar die dichte Nähe zu den Opfern vom 29. und 30. September 1941. In der Ukraine und Russland, auch in Sibirien bis ganz nach Fernost, gibt es viele Vorbehalte und auch historische Verbrechen gegen Juden. Das Wort Progrom ist russischen Ursprungs. Bemerkenswert ist, dass Jewtuschenko die deutschen Täter (SS und Wehrmacht) nicht direkt benennt, auch nicht die ukrainischen und eventuell russischen Mittäter. Er stellt sich ganz auf die Seite der sowjetischen (ukrainischen, weißrussischen, litauischen und russischen) Juden. Die Erinnerung an das historische Verbrechen verändert seine Hautfarbe, seine Körperhaltung und sein Inneres. Am Ende des Gedichtes sieht und fühlt er sich vollkommen als „wirklicher Jude“.

„Nach diversen Veröffentlichungen in den 1950er Jahren kam der Durchbruch beim Publikum 1961 mit den beiden Gedichten Babi Jar (Бабий Яр), und Meinst Du, die Russen wollen Krieg? (Хотят ли русские войны?). Babi Jar erschien in der Literaturnaja Gaseta und wurde auch vertont (Schostakowitschs 13. Sinfonie hat den Untertitel ‚Babi Jar‘). Jewtuschenko sah sich kritischen Stimmen des etablierten sowjetischen Kulturbetriebs ausgesetzt. Trotz einiger Repressionen – zeitweise lebte er in Petschora im Norden Russlands – war er sehr produktiv und wurde auch international beachtet; seine Werke erschienen in 72 Sprachen. Etiketten wie „Dichterrebell“, „Kultfigur der 1960er Jahre“, „Polit-Idol“ oder „politisch unzuverlässig“ versuchten ihn zu charakterisieren.“ aus https://de.wikipedia.org/wiki/Jewgeni_Alexandrowitsch_Jewtuschenko Friedrich Naehring

König kunkelt
Konzentriert
Die Forderung steht nach wie vor.
TOP 5
Wir sind entschlossen.

TOP 9:

Meinst du, die Russen wollen Krieg?
(Jewgeni Jewtuschenko)

Meinst du, die Russen wollen Krieg?
Befrag die Stille, die da schwieg
im weiten Feld, im Pappelhain,
Befrag die Birken an dem Rain.
Dort, wo er liegt in seinem Grab,
den russischen Soldaten frag!
Sein Sohn dir drauf Antwort gibt:

Meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen wollen Krieg?

Nicht nur fürs eig’ne Vaterland
fiel der Soldat im Weltenbrand.
Nein, daß auf Erden jedermann
in Ruhe schlafen gehen kann.
Holt euch bei jenem Kämpfer Rat,
der siegend an die Elbe trat,
was tief in unsren Herzen blieb:

Meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen wollen Krieg?

Der Kampf hat uns nicht schwach gesehn,
doch nie mehr möge es geschehn,
daß Menschenblut, so rot und heiß,
der bitt’ren Erde werd’ zum Preis.
Frag Mütter, die seit damals grau,
befrag doch bitte meine Frau.
Die Antwort in der Frage liegt:

Meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen wollen Krieg?

Es weiß, wer schmiedet und wer webt,
es weiß, wer ackert und wer sät –
ein jedes Volk die Wahrheit sieht:
Meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen wollen Krieg?

Quelle, auch in Russisch: https://deutsch-russische-friedenstage.de/2020/05/meinst-du-die-russen-wollen-krieg/

… integriert …
… und in Dresden zu Hause.
TOP 2, 6 und 10
Vorher gegen 15 Uhr besuchen wir unsere Partner-Veranstaltung auf dem Neumarkt an der Frauenkirche Dresden: Öffentliche WorkShop`s
„Vereint, konsequent fortlaufend gegen das Vergessen
– 80. Jahrestag des Überfalls Deutschlands auf die Sowjetunion –
für eine Zukunft im Sinne der >UNO-Menschenrechte – Frieden für ALLE<“
Schon 10 Uhr waren wir am Denkmal der Roten Armee auf dem Olbrichtplatz

Bitte jetzt Unterschreiben

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